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Noch 100 Tage bis zur WM, doch von eigentlichem WM-Fieber ist in Südafrika wenig zu spüren.
Statt von der WM spricht man landauf, landab vom Präsidenten Jacob Zuma. Dass der Sex liebt, ist schon lange bekannt. Er hatte eine Affäre mit einer HIV-positiven Verwandten, ist verheiratet mit drei Frauen und verlobt mit einer vierten.
Das aussereheliche Kind, das nun auch noch auftauchte, war deshalb nicht wirklich eine Überraschung. Doch gibt es zu reden. Die traditionellen Männer Südafrikas finden Zuma cool, die Frauen weniger und seiner Partei wird es langsam peinlich.
Mehr Schlagzeilen als die WM machen auch die wiederkehrenden Unruhen in den Townships. Deren Bewohner protestieren gegen die mangelnden Dienstleistungen des Staates.
Trinkwasserversorgung und Sozialdienste sind für die Mehrheit der Südafrikaner wichtiger als die Fussball-WM, die ihrem Land gerade einmal einen Monat lang Glamour verleiht.
Sichtbar ist die WM zur Zeit vor allem in Form von Gadgets und überall dort, wo man sich per Auto bewegt. Die Gadgets sind Anfang Jahr in den Tankstellen-Läden aufgetaucht. Das FIFA-Logo ziert Schlüsselanhänger, Plastikarmbänder, Rucksäcke und Dächlikappen. Günstig sind diese Sachen nicht, obwohl sie allesamt in China hergestellt worden sind. Von der Produktion dieser Gadgets hat Afrika also nicht profitiert und die Südafrikaner erst recht nicht.
So richtig spürbar ist die WM vor allem entlang der wichtigen Verbindungsstrassen. Neue Brücken werden gebaut, Fahrspuren verbreitert, Schlaglöcher aufgefüllt.
Tausende Bauarbeiter in orangen Overalls sorgen dafür, dass die Touristen sich ohne Stau zwischen den Stadien werden bewegen können. Wenn jemand von der sogenannten «Durchschnittsbevölkerung» von der WM profitiert, sind es diese Frauen und Männer, die ohne die WM arbeitslos wären.
Wenn nun auch noch die Fussballtouristen kämen, würden noch mehr Menschen in Südafrika von der WM profitieren. Leider sieht es auch an dieser Front wenig vielversprechend aus. Doch noch sind 100 Tage bis zum Anpfiff. Hoffen wir, dies sei Zeit genug, damit Afrika die WM erhält, die der gebeutelte Kontinent wahrlich verdient hat.
Manchmal ist Sport schwer zu erklären. Und fast gar nicht zu verstehen. Die beiden Eishockey-Halbfinals sind das neueste Beispiel dafür. USA - Finnland war nach 10 Minuten, 2 Fehlern des bis dahin statistisch besten Torhüters des Turniers und 4 Toren aus 7 amerikanischen Schüssen entschieden. Kanada war danach gegen eine erschreckend harmlose Slowakei kurz vor der Ziellinie, als Füsse, Hände und Stöcke des Favoriten vor lauter Nervosität doch noch arg ins Zittern gerieten.
Aus diesen beiden Spielen Schlüsse für den Final ziehen zu wollen, ist fast nicht möglich. Und auch wenn wir Erkenntnisse aus früheren Spielen einfliessen lassen, ist das am Ende doch nur eines: Kaffeesatz lesen. So sehr sich Experten auf allen Kanälen und in allen Blättern dieser Erde auch abmühen, aufgrund gesicherter Erkenntnisse voraussagen zu wollen, wer denn nun gewinnen wird, bleibt nur eines sicher: dass nichts sicher ist. Und das ist ja auch gut so.
Wenn ich nun doch versuche, aufgrund der angesprochenen bisherigen Erkenntnisse eine Voraussage zu machen, ist das also nicht wirklich ernst zu nehmen. ich probiers halt mal mit mit Thesen. These Nummer 1: Die Mannschaft mit dem besseren Goalie gewinnt. Der beste Goalie des Turniers ist bisher Amerikas Ryan Miller. Unbestritten. So weit, so gut. Dann gewinnen also die USA? Aber wer sagt uns denn, dass Miller im Final NICHT den sogenannten Kiprusoff-Tag einzieht?
Einer der USA-Trümpfe: Goalie Ryan Miller. (keystone)
These Nummer 2: Der kanadischen Wucht kann sich niemand entziehen. Die gibt's, diese Wucht, das steht ausser Zweifel. Fragen sie mal die Russen. Dann gewinnen also die Kanadier? Aber wer sagt uns denn, dass die Checks der Kanadier tatsächlich Wirkung zeigen, wenn sie denn überhaupt ankommen? These Nummer 3 also: Die «special teams» (Über- und Unterzahlspiel) werden entscheiden. Die USA haben bisher 6 Powerplaytore geschossen, Kanada 7. In Unterzahl haben die Kanadier 2 Treffer kassiert, die USA deren 3. Daraus etwas ablesen wollen? Come on!
Kanadas Härte ist bekannt und gefürchtet. (keystone)
Sie sehen: zu jeder These gibt es mindestens ein Gegenargument. Am Ende werden sowieso irgendwelche Details entscheiden. So eines wie dieses, zum Beispiel: eine Scheibe wird nicht so von der Bande wegspringen wie es die Physik vorsieht und dann plötzlich auf der Stockschaufel jenes zunächst überraschten, dann aber wild entschlossenen Spielers landen, der alleine vor dem gegnerischen Goalie steht und dann beim Stand von 2:2 34 Sekunden vor dem Ende zum Helden wird. Wenn auch vielleicht nur zum tragischen.
Sie sehen, was herauskommt, wenn jemand aus Kaffeesatz etwas herauslesen will. Und sie sehen, dass ich ihnen auch nicht sagen kann, wer gewinnen wird. Letztlich - seien wir ehrlich - dienen ja all diese Vorschauen nur zwei Zwecken. Zum einen, die Vorfreude auf das Bevorstehende zu vergrössern. Und zum anderen, die Wartezeit auf das, was kommt zu verkleinern. In diesem Sinne sind wir alle dem Final Kanada - USA wieder ein paar Minuten näher gerückt. Let the game begin!
Wie immer bei Olympia bildet der Langlauf über 50km, die Königsdisziplin, den krönenden Abschluss der Spiele. Zumindest was die Schneesportarten anbelangt, denn hier in Kanada kann dem Eishockeyfinal diese Bedeutung selbstverständlich nicht abgesprochen werden.
Zwei Mal Bronze für die Schweiz
1968 schaffte Josef Haas in Grenoble über diese Distanz mit seiner Bronzemedaille die Sensation für die Schweiz. Wie es sich damals gehörte, in der klassischen Technik. Haas war damals 31-jährig. 1988, bei den ersten Spielen an denen die Skating-Technik ins Programm aufgenommen wurde, tat es ihm Andy Grünenfelder gleich und gewann Bronze. Grünenfelder war damals 27-jährig und vollbrachte seinen Husarenritt nur ein paar Längengrade weiter östlich von Vancouver in Calgary.
Sepp Haas gewann 1968 über 50 km Bronze für die Schweiz.
Interessante Regelmässigkeiten
Heute geht Dario Cologna als einziger Langläufer für die Schweiz über die 50km an den Start. Bemerkenswerterweise ist Cologna einer der jüngsten Langlauf-Olympiasieger der Geschichte. Wenn man die Chronologie unserer Schweizer Langlaufhelden genau unter die Lupe nimmt, fallen einige sehr interessante Regelmässigkeiten auf:
1968 Grenoble 50km kl. Sepp Haas (31) Bronze
1988 Calgary 50km sk. Andy Grünenfelder (27) Bronze
2010 Vancouver 50km kl. Dario Cologna (23) ?
Über die Medaillenambitionen von Dario möchten wir an dieser Stelle nicht spekulieren, aber gewisse Hoffnungen lassen sich aus der Chronologie schon interpretieren.
Medaillengewinner durchschnittlich 28 Jahre alt
Befassen wir uns also mit dem Alter der erfolgreichsten Olympioniken über die Langdistanz während der letzten 30 Jahre. Der älteste Medaillengewinner der letzten 8 Austragungen im Olympia-50er war 1992 in Albertville Maurilio de Zolt mit 41 Jahren. Der Durchschnitt aller Medaillengewinner in diesem Zeitraum beträgt 28 Jahre. Jüngster Medaillengewinner über die 50km war bis anhin Jewgeni Dementjew 2006 in Turin mit 23 Jahren.
Der Generationen-Kampf ist lanciert
Gemäss Statistik und Literatur beträgt das optimale Leistungsalter im Skilanglauf zwischen 26 und 30 Jahren. Speziell über die Langdistanz. Die obengenannten Zahlen bestätigen diese Theorie.
Seit letztem Winter stellen ein paar junge Wilde das Ganze aber in Frage. Sie tragen grosse Namen und sind seit einigen Tagen auch bereits Olympiasieger: Dario Cologna (23), Petter Northug (24) und Markus Hellner (24). Können diese jungen Champions nun auch in der Königsdisziplin ihre grosse Klasse aufblitzen lassen und endgültig eine neue Ära im modernen Spitzenlanglauf einläuten? Diese Frage wird heute wohl beantwortet.
Dario Cologna ist zweifelsohne ein Vertreter der «jungen Wilden».
Ihre grossen Widersacher tragen ebenfalls klingende Namen und weisen ein herausragendes Palmarès auf: Lukas Bauer (32), Andrus Veerpalu (39), Tobias Angerer (32), Giorgio Di Centa (37), Odd Björn Hjelmeset (38), Jens Arne Svartedal (34), Pietro Piller-Cottrer (35), Axel Teichmann (30), Vincent Vittoz (34) und noch einige mehr!
«Boxenstopps» als Premiere
Das Abschlussbouquet der Langlaufbewerbe im Callaghan Valley wird also ein heisser Kampf zwischen zwei Athletengenerationen. Es erwartet uns ein spannender Wettkampf mit Formel 1-Feeling. Die Athleten haben nämlich die Möglichkeit dreimal wahlweise nach einer der 5km Runden auf neue, frisch präparierte Ski zu wechseln. Die Boxenstoppstrategie ist eine Premiere bei Olympischen Spielen und verleiht der traditionellen Königsdisziplin dabei eine ganz spezielle und taktisch interessante Note.
In gummierten Winterschuhen und Skihose, in einer Jacke mit verschweissten Nähten und mit grosser Kapuze stehen wir im Zielbereich der alpinen Snowboarder. Roland der Techniker, David der Kameramann und ich. In Cypress regnet es in Strömen. „Ich hab' kalte Füsse!" ächzt David und flucht über einen wahnsinnig teuren Zürcher Outdoor-Laden, in dem ein Verkäufer seine neuen Schuhe für mindestens Nordpol-tauglich erklärt habe.
Mein Kugelschreiber will nicht schreiben auf dem völlig durchweichten Notizblock. Die Startliste habe ich behelfsmässig in eine Plastikhülle gesteckt. Wasserdicht ist anders. Das Papier ist völlig zerfleddert. Ich erkenne grad noch knapp, dass jetzt dann die Schweizerin Fränzi Mägert-Kohli zur Qualifikation startet. „Mir rinnt unter der Jacke Regenwasser über die Schultern!" bemerkt Roli resigniert. Alles trieft.
Kurz darauf wissen wir dann auch, warum der Himmel so elendiglich weint. Er muss ein Mägert-Kohli-Fan sein. Die einzige Schweizerin scheitert in der Qualifikation. Beim Interview kommt wenigstens ihr der Regen ganz gelegen: Niemand kann so Tränen von Regentropfen unterscheiden.
Ohne Schweizer Beteiligung scheint sich der Wettkampf ewig hin zu ziehen. Und immer noch dieser Regen. Wollen die uns eigentlich vertreiben, diese Kanadier?
Auch unsere Kamera trägt übrigens eine Art Regen-Pelerine. Doch auch dieser Kameraschutz ist nicht für Dauer- sondern höchstens für gelegentlichen Nieselregen gemacht. Dass da noch ein Bild raus kommt, grenzt für mich an ein technisches Wunder.
Paddy Kälin meldet aus dem Anchor-Studio Vancouver, es tropfe dort auch schon rein. „Geschieht ihm Recht, der soll nur auch ein wenig nass werden!" denkt mein durchnässter Geist trotzig, obschon Paddy natürlich genauso wenig für den Regen kann wie sonst wer.
Irgendwann ist dann Schluss. Es gewinnt eine Holländerin. Roli, David und ich ziehen wie drei vollgesogene, blaue SF-Schwämme von dannen. Es regnet noch immer. Wer hat eigentlich diesen Spruch erfunden „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung."? - WEHE, WENN WIR DEN ERWISCHEN!
«Sind Sie auch ein Volunteer?» fragte mich neulich einer der vielen Freiwilligen mit den blauen Anzügen, die allüberall das Olympiagelände bevölkern. Eine komische Frage, denn ich hatte ja die Schweizer «Fernsehuniform» an!
Aber gerade dies führte ganz offensichtlich zur Fehlinterpretation, genau gesagt das Schweizerkreuz auf meiner Jacke!

Denn das Rote Kreuz heisst zwar auch in Kanada Rotes Kreuz, das Kreuz für alle medizinischen Einrichtungen ist hier aber trotzdem weiss, einfach in einem roten Feld. Der gute Mann hielt mich also für einen Arzt, der an den Winterspielen freiwillig Dienst tut. Wohlan denn! Mit freundlichen Grüssen aus Vancouver, Dr. Thurnheer
Als Fredel Kälin, Albert Giger, Wisel Kälin und Edi Hauser vor 38 Jahren, am 13. Februar 1972 bei den Olympischen Spielen von Sapporo, die Bronzemedaille gewannen, hätte die Zusammensetzung im Team kaum unterschiedlicher sein können: die beiden Einsiedler Fredel und Wisel Kälin, der Oberengadiner Albert Giger und der Obergommer Edi Hauser.
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Albert Giger 1972 in Sapporo (keystone)
Vier völlig unterschiedliche Charaktere aus total verschiedenen Regionen der Schweiz. Das heutige Schweizer Team mit Livers, Perl, Fischer, Cologna, das in der 4x10-Kilometer-Staffel in Vancouver 2010 für die Schweiz an den Start gehen wird, ist viel homogener und trainiert die meiste Zeit zusammen im Stützpunkt Davos.
Die Parallelen zu Sapporo 1972
Es lohnt sich durchaus, die Details der Geschichte der «Glorreichen Vier von Sapporo», die damals einen richtigen Langlaufboom in der Schweiz auslösten, etwas zu analysieren und in Relation mit der aktuellen Staffel zu stellen.
- 15km Rennen: in Sapporo waren drei Schweizer in die Top 20-Ränge gelaufen, hier in Whistler gelang das gleich allen vier gestarteten Schweizer Langläufern.
- Der damalige Coach der Schweizer Langläufer war ein Skandinavier und hiess Lennart Olsson. Auch heute ist ein Skandinavier für die Geschicke des Schweizer Distanzteams verantwortlich: Fredrik Aukland aus Norwegen, der Schweizer Trainer des Jahres 2009.
- Beim Erfolg der «Glorreichen Vier» lief ein Engadiner, Albert Giger, die zweite Ablösung, Edi Hauser, der Beste des Quartetts, bestritt den Schlussabschnitt. Auch in der 4x10-km-Staffel von heute läuft ein Engadiner, Curdin Perl, den wichtigen zweiten Abschnitt und der Leader, Dario Cologna, wird am Schluss als sogenannter «Anchormann» powern.
- Vor 38 Jahren waren die Schweizer klare Aussenseiter gegen alle Skandinavier, die Russen und die beiden Deutschen Teams aus der BRD und der DDR. Auch heute sieht es nicht anders aus. Hinter Norwegen, Schweden und Deutschland gehen die Schweizer zusammen mit Kanada, Italien, Russland und Frankreich als Aussenseiter an den Start.
Das grosse Finale von Edi Hauser
Edi Hauser hat damals, vor 38 Jahren und 11 Tagen, als Vierter von Wisel Kälin übernommen, griff einen Kilometer vor dem Ziel den vor ihm liegenden schwedischen Olympiasieger Sven-Ake Lundbäck an und holte sich die viel umjubelte Bronzemedaille. Hätte Adolf Ogi damals vor dem Rennen prognostiziert, dass es eine Medaille geben könnte, hätte man wohl nach dem Teamarzt gerufen. Das waren damals eben die «Goldenen Tage von Sapporo»!
Das Schweizer Team um Olympiasieger Dario Cologna ist zwar nicht ganz so heterogen wie die «Glorreichen Vier», und doch wurde in den letzten Jahren mit Adriano Iseppi und mit Coach Fredrik Aukland viel am Teamspirit gearbeitet. Im Januar setzte sich das Team in St. Moritz sogar in einen Bob und auf Remo Fischers Wunsch hin wurde die teaminterne Konversation von Rätoromanisch auf Schweizerdeutsch geändert.
Perfekter Tag, optimales Material und etwas Glück
Die Voraussetzungen waren noch selten so gut, die Konkurrenz allerdings auch. Für einen Spitzenplatz in der Staffel benötigen die Schweizer einen perfekten Tag, optimales Material und wohl auch etwas Glück. Und natürlich Teamgeist wie die «Glorreichen Vier» von 1972, die sich vor dem Rennen gegenseitig in der Wachskabine verbal aufheizten, wie Edi Hauser heute noch gerne erzählt.
Leicht haben sie es nicht, die Eislauf-Damen, im Olympischen Dorf. Rund herum werden bereits Medaillen gefeiert oder ausgelassen das Wettkampfende genossen, sie aber gehören zu denen, deren Entscheidung erst kurz vor dem Ende der Spiele fällt. Sie müssen fokussiert bleiben, sind genau jetzt in der letzten Phase der Vorbereitung.
Als ich Sarah Meier heute zum letzten Mal im Training sah, keimte Hoffnung auf, dass es einen guten Start in den Wettkampf geben wird. Vor Tagen noch, von einem Magendarm-Virus geplagt, hatte sie sich sogar ins Spital begeben müssen, um per Infusion den Flüssigkeits- und Elektrolythhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen.
Geschwächt hat sie das Ganze trotzdem, die Tage danach war ihr mal übel vom Essen, mal übel vom nicht Essen. Alles andere als eine optimale Vorbereitung für ihr Kurzprogramm.
«Heute fühle ich mich ok», sagt sie. Als könne sie dicke Bäume ausreissen, hört sich das leider nicht an. Aber seit der WM 2009 wissen wir spätestens, was für eine Kämpfernatur sie ist. Trotz heftiger Rückenschmerzen erkämpfte sie sich ihren Olympiastartplatz und meisterte auch den lausigen Saisonstart mit diversen anderen Verletzungen. Jetzt, wo sie diese im Griff hatte, funkt ausgerechnet ein Bataillon Viren dazwischen. Alles wird sie geben, da bin ich sicher und halte fest die Daumen.
Ein anderes Schicksal allerdings hat mich noch heftiger bewegt. Joannie Rochette, die beste kanadische Läuferin, 2. der WM, hat hier statt des Wettkampfes ihres Lebens, den wohl schwersten Gang ihres Lebens vor sich. 2 Tage vor dem Kurzprogramm waren ihre Eltern hier angekommen, um den vielleicht grössten Moment ihrer Karriere mit ihr zu teilen. Einen halben Tag später musste ihr der Vater die Nachricht vom Tod der Mutter überbringen. Therese Rochette starb ohne Vorerkrankung, mit 55 Jahren, plötzlich an einem Herzinfarkt.
Joannie stand 6 Stunden später zum Training auf dem Eis - vor Fernsehkameras und vor einigen Zuschauern. Um Haltung kämpfend, entschlossen, hier für ihre Mutter zu laufen. Wohl alle, die in diesem Moment in der Halle waren, haben sich eine Träne wegwischen müssen. Auch ich schäme mich nicht für meine, denn beim Versuch zu erahnen, was in Joannie vorgeht, kommen sie einem automatisch.
Die Anteilnahme der Kolleginnen und der höchste Respekt ist ihr sicher. Auch die Favoritinnen auf Gold - allen vorweg Yu Na Kim aus Korea, haben sich zutiefst bewegt gezeigt. Heute aber war jede im Training mit sich beschäftigt. Und schon konnte man einen kleinen Wettbewerb sehen zwischen Yu Na Kim und Mao Asada aus Japan. Das ist der erwartete Zweikampf um Gold. Beide brillierten mit ihren Topschwierigkeiten, gaben sich keine Blösse, oder hielten sich gar bedeckt.
Wer kann eingreifen in diesen Zweikampf? Vielleicht die Japanerin Miki Ando,als ehemalige Weltmeisterin? Vielleicht Carolina Kostner aus Italien, die Europameisterin? Viel taktieren jedenfalls werden alle, die Medaillen wollen, nicht können im Kurzprogramm.
Aufstehen, oder wach bleiben lohnt sich!
Heute Dienstag ist im Curling Q-Day, Qualifikationstag. Die besten Vier am Ende der Round Robin qualifizieren sich für die Halbfinals. Dafür braucht es aus den 9 Spielen im Normalfall 6 Siege. Daraus lässt sich ermessen, wie kritisch die Lage des Frauen-Teams um Mirjam Ott war, das gleich die ersten drei Spiele verlor.
Nun war eine Serie von 6 aufeinanderfolgenden Gewinnen erforderlich. 4 davon sind bereits unter Dach und Fach, gegen Deutschland und die USA soll heute nun der 4. Platz gesichert werden. Die ersten 3 Positionen scheinen vergeben, genau gemäss Papierform an Gastgeber Kanada, Titelverteidiger Schweden und Weltmeister China, das Trio aus dem «Brutalo-Startprogramm» der Schweizerinnen.
Die Männer müssen morgen «nur»
Die Sport-Psychologie punktet
Ausgerechnet die beiden olympiaerfahrenen Stars von Turin, Mirjam Ott und Ralph Stöckli, erlebten in der vergangenen Woche Blockaden, die fast zum endgültigen Absturz geführt hätten. Offenbar ist eine gewisse Unbeschwertheit mehr wert als das paralysierende Wissen um die grosse Bedeutung des Anlasses.
Die Norweger und ihre Hosen sorgten für Farbe im Curling-Turnier
Otts Team wurde früh schon fast abgeschrieben, und rund ums Männerteam kursierten Gerüchte um die Rückversetzung Stöcklis auf Position 2, oder sogar dessen Ersetzung durch Ersatzmann Toni Müller. Gespräche mit dem Sportpsychologen brachten «uns unseren Skip zurück»
Direkt oder via Tie-Breaks in den Halbfinal?
Eine Niederlage heute würde für beide Schweizer Teams noch nicht das endgültige Aus bedeuten, wohl aber zusätzliche Arbeit in Form von Entscheidungsspielen, den sog. Tie-Breaks, um Platz 4. Auf einen solchen Ausrutscher hoffen noch zahlreiche Mannschaften, wobei ihn die Deutschen Frauen im ersten Spiel von heute gleich selber herbeiführen können. Tie-Breaks werden nur gespielt, um die Frage «Halbfinalist oder nicht»
Der Masterplan
Den Schweizer Männern könnte sich bei einem Sieg über Frankreich ein goldener Weg öffnen. Da sie in der Vorrunde Grossbritannien besiegten, wären sie 3. und würden so den superstarken Kanadiern aus dem Weg gehen. Die sind wohl nur in einem Derby von Erzrivale Grossbritannien zu besiegen, und dazu käme es nun bereits im Halbfinal. Der britische Skip David Murdock könnte Kanadas Kevin Martin wie schon im letzten WM-Final besiegen. Und gegen ihn gewannen die Schweizer wie schon erwähnt in der Vorrunde schon einmal.... Zunächst müssten Markus Eggler und Co. allerdings in ihrem Halbfinal noch den Norwegern die Hosen ausziehen, und diese sind, wie wir wissen, doch sehr speziell.
Let's wait and see... on Swiss TV!
Technisch schwierige Kurven kombiniert mit extrem hoher Geschwindigkeit - das ist kurz zusammengefasst der Stolperstein, den die Bahnbauer im Whistler Slidingcenter den Eiskanal-Athleten in den Weg gelegt haben. Ob es auf dieser Bahn möglich sein wird, auf vernünftige Art und Weise ein olympisches Viererbobrennen durchzuführen, ist im Moment fraglich. Einer der Gründe, wieso es mit dem grossen Schlitten noch viel heikler ist, sturzfrei durch Kurve 13 («Fifty-Fity-Corner») zu kommen, ist die noch einmal höhere Geschwindigkeit (deutlich über 150 km/h) als mit dem Zweier-Bob.
Eine wahrhafte Olympia-Vorbereitung
Sind ein paar Stundenkilometer mehr oder weniger wirklich entscheidend? Als Nicht-Bobfahrer kann man auf diese Frage nur die Schultern zucken. Auch mir erging es bis vor ein paar Monaten nicht anders. Aber als SF-Bobkommentator hatte ich das Privileg, quasi als Olympia-Vorbereitung die Bobpiloten-Schule absolvieren zu dürfen. Bob-Verbandspräsident Peter J. Schmid hatte mich vor einem Jahr dazu eingeladen. So nach dem Motto: «Du kannst ja nicht bei Olympia Bob kommentieren, ohne selbst zu wissen, wie man einen Schlitten steuert!»
Mit mulmigem Gefühl in Innsbruck
Also begab ich mich im letzten November mit einem ziemlich mulmigen Gefühl nach Igls bei Innsbruck, um im olympischen Eiskanal meine ersten Fahrten als Zweier-Bob-Pilot zu absolvieren. Meine Zweifel und Bedenken wurden schnell zerschlagen. Denn unser Kursleiter Marcel Rohner weiss als Silber-Medaillengewinner von Nagano nicht nur, wie man olympisches Edelmetall gewinnt, sondern versteht es auch ausgezeichnet Anfänger wie mich sturzfrei durch die Bobbahn zu bringen. Die Ausbildung begann mit einer Bahnbegehung, gefolgt von der Bereitstellung des Materials und einem ausführlichen Videostudium.
Der Moment der Wahrheit (meine erste Fahrt als Bobpilot) war auf den Morgen des zweiten Kurstages angesetzt. Als der gute alte Podar-Bob vom Damenstart in die Bahn runter glitt, gab's kein Zurück mehr. Da sass ich also in dieser roten Kiste und hatte keine Ahnung was genau passieren würde, wenn ich an den Lenkseilen ziehe... Und: ich wurde extrem positiv überrascht! «Der fährt ja tatsächlich dort durch, wo ich will», fuhr es mir durch den Kopf als ich die Kreisel-Ausfahrt hinter mir hatte. Ja und so überstand ich nicht nur die erste, sondern auch neun weitere Fahrten sturzfrei. Was ich dabei empfand ist fast nicht zu beschreiben: Begeisterung ohne Ende, der absolute Adrenalin-Kick!
Bob Jaggi in der Startspur - auch vom oberen Start aus ging alles gut.
Das Tempo wurde von Fahrt zu Fahrt erhöht. Einerseits über die Präparierung der Kufen, andererseits durch den Wechsel vom Damen- zum Herrenstart am zweiten Tag. Von anfänglich um die 80 km/h steigerte ich mich bis zur letzten Fahrt auf einen Topspeedwert von 115 km/h. Zum Vergleich: Beat Hefti kam bei seinem EM-Titel Ende Januar auf 125,1 km/h.
In der Ausfahrt Kurve 6, jetzt geht's runter in den Kreisel!
Die Fahrt durch den Kreisel: Für den Piloten ein Genuss, nur der Bremser bekommt den Druck so richtig zu spüren.
Es war wirklich eine extreme Steigerung. Zum Schluss war ich rund 35 km/h schneller unterwegs als bei meiner ersten Fahrt. Auch wenn man Igls weder vom Tempo noch von den technischen Schwierigkeiten her mit Whistler vergleichen kann, so gilt auch dort im Labyrinth des untersten Bahnabschnittes die Faustregel «Je schneller desto schwieriger». Und auch wenn es bei mir nur Erfahrungen auf Anfänger-Stufe sind, so glaube ich doch zumindest erahnen zu können, dass es einen riesigen Unterschied ausmacht, ob man mit 140 oder mit 150 km/h auf den «Fifty-Fity-Corner» zurast...
Der Eiskanal von Whistler ist eine Fehlkonstruktion. Darüber sind sich alle einig , und dies schon länger. Aus Bobkreisen hört man, dass Athleten die FIBT, also den Weltverband, schon länger darauf aufmerksam gemacht haben, dass diese Bahn zu gefährlich sei. Sie wurden, wie schon so oft, nicht ernst genommen. Das Resultat: Ein toter Rodler, diverse Stürze und Verletzungen sowohl im Rodeln als auch im Bob. Das Schlimme daran ist , dass sich die Funktionäre ihrer Verantwortung immer noch nicht stellen.
Opfer sind keine ExotenBei den Sturz-Opfern handelt es sich nicht um sogenannte «No-Names», um Exoten, die es bei Olympia halt nun mal gibt, sondern um Spitzenfahrer wie Beat Hefti oder neu im Vierer um den Letten Janis Minins, den Europameister von 2008. Die meisten Athleten verhalten sich ruhig, ist auch logisch, man will sich auf den Wettkampf konzentrieren, ausserdem ist es ja nicht nur im Sport so, dass wer den Mund aufmacht, auch wenn er noch so Recht hat, mit Repressialien zu rechnen hat.
Einer hat den Mund aufgemacht: Daniel Schmid, die Nummer drei der Schweiz. Er hat kein Blatt vor den Mund genommen, was alles falsch gelaufen ist, wie er vom Verband mit unverschämten Worten abgekanzelt wurde und, dass er hier nicht fahren werde, die Gesundheit gehe vor. Ein Mann mit Rückgrat.
Eine grossartige PersönlichkeitWelche Konsequenzen diese Aussagen auf seine weitere Karriere haben werden, bleibt abzuwarten. Ich hoffe, dass sowohl der Schweizerische als auch der Internationale Verband erkennen, welch grossartige Persönlichkeit sie in ihren Reihen haben. Sollte es mit der ganz grossen Karriere im Schlitten selbst nicht klappen, muss dieser Mann als Funktionär unbedingt in den eigenen Reihen gehalten werden.
Darum Schmid for President, dem Sport zuliebe.
FIFA-Schlüsselanhänger und Arbeiter in orangen Overalls
Generationenkampf mit Boxenstoppstrategie
Undichte Stellen bei den Olympischen Wasserspielen in Cypress Mountain

Endlich fahren sie, die neuen Busse!
«Fahren überhaupt noch Schweizerinnen mit?»
«Acht Jahre Südafrika - und ich lebe immer noch!»
Die Schweizerinnen und die Besten



kulturplatz-Blog mit Christoph Marti, auch bekannt als Ursli Pfister
