9.7.2010 17:35

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Benis All-Star-Team

Noch stehen die letzten zwei Spiele aus (und ich erbete mir deshalb noch Änderungsmöglichkeiten am Sonntagabend), aber jetzt ist die ideale Zeit um über das All-Star-Team zu diskutieren. Hier ist also meines, und ich habe mich besonders in den hinteren Positionen um etwas Originalität bemüht :-).

Torhüter:Enyeama (Nigeria). Seine vielen Glanzparaden lassen den einen Patzer glatt vergessen. Alternativen: Kingson (Ghana), wäre er im Viertelfinal zum Penaltyhelden geworden, Benaglio (Schweiz) mit einem Spiel mehr... oder dann halt doch Casillas (Spanien).

Verteidiger, rechts: Maicon (Brasilien), defensiv untadelig, dazu aber auch mit unheimlichem Zug nach vorn.

Verteidiger, zentral: Puyol (Spanien). Alterative: Piqué (Spanien), der nur durch Puyols Halbfinaltor geschlagen wurde.

Verteidiger, zentral: Tanaka (Japan). Beförderte einfach alles weg, was in seine Strafraum kam. Ein Kämpfer, der in jedem Champions-League-Spitzenteam gute Figur machen würde.

Verteidiger, links: Van Bronckhorst (Holland). Der Problemposten bei (fast) allen Teams! Deshalb reichte es ihm bereits dank seines Halbfinal-Hammertores. Alternative: Bastos (Brasilien)

Mittelfeld, defensiv: Schweinsteiger (Deutschland). Sonst schon hervorragend, bestritt er gegen Argentinien wohl das Spiel seines Lebens.
Alternativen: Xavi und Busquets (beide Spanien)

Mittelfeld, defensiv: Iniesta (Spanien). Das absolut unberechenbare, aber perfekte Genie am Ball. Unberechenbar auch seine Position, warum also nicht diese...

Mittelfeld, links: Sneijder (Holland). Seine 5 Tore sprechen für sich, rochierte aus dem Zentrum häufig nach links.

Mittelfeld, zentral: Özil (Deutschland). Das Symbol der attraktiven neuen deutschen Tempo-Fussball-Welle, mit Traumtor gegen Ghana.

Mittelfeld, rechts: Forlan (Uruguay). Der omnipräsente (also auch rechts) Denker, Lenker, Passgeber und Skorer, der massgeblich dazu beitrug, dass es Aussenseiter Uruguay bis in den Halbfinal schaffte.
Alternative: Robben (Holland)

Sturmspitze: Villa (Spanien). Schoss 5 der 7 spanischen Tore, das sagt alles!
Alternative: Klose (Deutschland), falls er sich noch die Topskorer-Krone holt.

Nicht einverstanden? Hoffentlich auch nicht! Jeder darf und soll seine eigene Meinung haben. Dies war jetzt halt meine.



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22.6.2010 11:39

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Der Traum der WM für Afrika - bald zerplatzt?

Wir sind schon über 3000 Kilometer durch Südafrika gereist. Von Durban zur Wild Coast bis hinauf in die karge Bergwelt von Lesotho - und überall haben wir Menschen getroffen, deren Glaube an Bafana Bafana nicht zu erschüttern war. Es ist, als ob sich alle diese WM für Afrika unter keinen Umständen wegnehmen lassen wollen. Meine Teamkolleginnen, alles Südafrikanerinnen lassen sich auch nicht beirren - obwohl auch sie wissen, dass es ein Wunder braucht, damit sich das südafrikanische Team für die Achtelfinals qualifizieren kann.

fu_bafana.jpg

Heute in Bloemfontein, vor dem Match Bafana Bafana gegen Frankreich, traf ich auf dem Campingplatz enthusiastische Südafrikaner mit hunderten von gelben Vuvuzelas auf einem Lastwagen an. Die Vuvus, so sind diese Männer überzeugt, werden Bafana Bafana zum Sieg verhelfen. Das französische Fernseh-Team, das auf dem gleichen Campingplatz übernachtete, hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig.

Und dann, was passiert, wenn Bafana Bafana weg vom WM-Fenster ist? Ist das eine Tragödie für das Land, für den Kontinent? Müssen sich alle in Südafrika schämen, weil es das erste Mal ist, dass ein Gastgeberland die Gruppenphase nicht übersteht? Muss sich ganz Afrika in die Ecke stellen, weil es auch für die übrigen afrikanischen Länder nicht so gut aussieht? Gibt die WM nach dem Ausscheiden des südafrikanischen Teams und der afrikanischen Länder ihren Geist auf, wie die Kommentatoren im südafrikanischen Fernsehen befürchten?

Wohl kaum.

Bis jetzt ist es doch eine tolle WM, zumindest was mich betrifft. Die Menschen landauf, landab reden miteinander, Nationen treffen aufeinander. Japaner reiten in Lesotho, Chilenen essen Muscheln an der Wildcoast und sie alle mischen sich unter die lokale Bevölkerung. Zudem ist doch jede WM für Überraschungen gut. So super haben weder die Deutschen, die Franzosen noch die Italiener gespielt.

Dafür sind die Schweizer plötzlich in entlegenen Dörfern bekannt und die kleine Schweizerfahne, die auf meine Jacke gedruckt ist, löst an sämtlichen Tankstellen Wohlwollen und Schulterklopfen aus. Vielleicht ist es weniger eine WM für Afrika als eine WM der Überraschungen. Und Überraschungen sind doch immer gut!



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21.6.2010 11:10

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Roadtrip to Rustenburg

Normalerweise sieht ein Arbeitstag eines Kommentators ungefähr so aus: am Morgen von der Unterkunft aus direkt zum Flughafen, Flug zum Spielort, Transfer ins Stadion, Spiel kommentieren und wieder zurück. Von Südafrika sehen wir nur wenig, aber es gibt eine Ausnahme: der Roadtrip zum Spielort Rustenburg.

Vorschaubild für Patrick_Schmid_WM2010.jpg 

Rustenburg liegt ungefähr drei Stunden von Johannesburg entfernt, eine Distanz, die locker mit dem Auto zurückgelegt werden kann. Also, los geht's!

Was natürlich zuerst auffällt: Linksverkehr und alle 200 Meter eine Kreuzung mit Ampel. Kreiselverkehr scheint hier ein Fremdwort zu sein und auch die Grüne Welle hat sich noch nicht bis Südafrika herumgesprochen. So, ist der Start unserer Reise ruckartig, alle 200 Meter heisst es anhalten, warten bis es grün wird. Südafrikaner fahren übrigens gerne schnell. Geschwindigkeitsangaben werden zur Kenntnis genommen, aber nicht eingehalten.

So, lassen wir trotz Ampeldschungel Johannesburg schnell hinter uns. Es wird ländlicher. Weisse sieht man am Strassenrand keine mehr. Links von uns beginnt dann auch ein Township, die Slums von Südafrika. Blechhütte reiht sich an Blechhütte. Heizungen gibt es hier natürlich keine - und dies trotz Minustemperaturen im südafrikanischen Winter. Kinder spielen am Strassenrand, jedes dritte von ihnen wird statistisch gesehen mit dem HI-Virus infiziert oder ist es bereits.

Und nur wenige Kilometer später folgt ein weiterer Beweis, wie gross noch immer der Graben zwischen arm und reich ist: Auf der rechten Seite der Strasse viel Prunk, eine Siedlung für die Oberschicht, mit dem Namen: „Princess Villas".

Vorbei an Blechhütten und Villas erstreckt sich die unendliche Weite dieses Landes. Es ist ein schöner Fleck, keine Frage, aber auch ein gefährlicher: Ein Schild am Strassenrand warnt vor Entführern. Anhalten sollte man nicht, auch niemandem helfen, der eine Panne hat, es könnte eine Falle sein. Das stimmt nachdenklich. Ist man als Weisser überhaupt noch in Südafrika willkommen? Ich denke ja.

Zumindest habe ich den letzten Wochen diese Erfahrung gemacht. So auch an diesem Tag: Wir haben unser Ziel mit Rustenburg erreicht. Kaum bin ich ausgestiegen, werde ich von den Einheimischen herzhaft empfangen. Ein „Welcome in South Africa" da, ein typisch afrikanischer Handschlag dort. Die Freundlichkeit ist nicht gespielt, die Südafrikaner sind stolz, den World Cup in ihrem Land zu haben. Sie versuchen alles, damit wir Europäer uns wohl fühlen. Aber trotz aller Freundlichkeit und den wunderschönen Stadien können sie nicht verbergen, dass auch Südafrika ein Teil von Afrika ist und dass hier noch so einiges zu tun bleibt - nicht nur entlang der Strasse Richtung Rustenburg.



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21.6.2010 10:11

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Der Fön, die Heizung.

Eine WM im Winter, das ist in der Tat seltsam, war jedoch absehbar. Denn auf der Südhalbkugel ist gerade nunmal die kalte Jahreszeit angesagt. Das ist jedes Jahr so.. Und weil Chile sich ein paar Breitengrade mit Südafrika teilt, ist es hier auch etwas frischer als in Europa.

Warum ich das erzähle? So wie vielen Fussballfans vor Ort vergeht mir hier auch der Spass. Zumindest hier in meinem Hotel, das teurer ist als etwas Vergleichbares in der Schweiz, dafür aber nur über symbolische Heizkörper verfügt. Und weil es überwiegend regnet, fühlen sich die 12 Grad Aussentemperatur gleich noch kälter an. Die Menschen, die nach dem Erdbeben und Tsunami noch über Monate in Holzhütten wohnen müssen, haben mein tiefstes Mitleid, zumal sie zum Wasserholen oder auf dem Weg zur Toilette auch noch über Schlammpfade waten.

blog_chile_SZQ.jpg 

Schneefall in Chiles Hauptstadt Santiago

So sehr ich mich auf den Besuch in Chile gefreut habe, und so sehr mich die Chilenen freundlich empfangen habe, so sehr friere ich in Concepción, 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Dass es draussen kalt ist, lässt sich nicht ändern, doch das Internetcafé, das Restaurant und auch das Hotelzimmer kommen eher einer Kühlkammer gleich. Die letzten Abende habe ich mich schnell unter der Bettdecke verkrochen, das half. Doch den halben freien Sonntag wollte ich gemütlich verbringen.

Damit sich zumindest von der Temperatur her diese Behaglichkeit erreichen lässt, dröhnt es jetzt von links. Der Fön ist meine Heizung, unterstützt vom Wasser, das ich auf der Herdplatte erhitze. Das ist alles nicht ökologisch. Ich weiss es. Doch zu frieren ist auch keine Alternative.

Deshalb freue ich mich für die Chilenen, wenn es Ihnen durch das Weiterkommen bei der Weltmeisterschaft warm ums Herz wird. Auch wenn man - abgesehen von der Werbung - nicht viel Fussballverrücktes sieht. Und ich freue mich auf den Weiterflug nach Honduras. Da ist es zwar gefährlicher, es regnet auch, doch bei 27 Grad vergeht mir der Appetit zumindest nicht weil ich friere. Das nächste Mal komme ich dann im Sommer nach Chile.



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20.6.2010 09:22

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Südafrika droht WM-Kater

Was ist das grosse Fussballthema in Südafrika? Das bevorstehende Gigantenduell Brasilien gegen die Elfenbeinküste? Der nächste Auftritt der tapferen Schweizer?

Natürlich nicht! Die eigene Nationalmannschaft liegt dem südafrikanischen Fussballfan nach wie vor am meisten am Herzen. In Radio-Talk-Shows wird engagiert über das enttäuschende Abschneiden der Bafana Bafana debattiert. Nach der 0:3 Pleite gegen Uruguay orakelte eine Zeitung: «wie können 11 Spieler 50 Millionen Südafrikaner hängen lassen?».

Dani_Kern_WM2010.jpg

Die Meinungen sind gemacht. Das Team zeigt kein Herz und wenig Leidenschaft! Dem Gastgeber droht bereits in der Vorrunde das Out. Das hat es in der WM-Geschichte bisher noch nie gegeben. Die Fans in Südafrika sind frustriert, verärgert und ratlos.

Noch bleibt eine Chance. Bis am Dienstag und dem letzen Gruppenspiel gegen Frankreich wird in Südafrika weiter diskutiert und gehofft. Die Party darf noch nicht zu Ende sein, doch nur ein Fussballwunder kann Südafrika noch retten. Wie soll die Bafana Bafana das Unmögliche noch möglich machen? Vielleicht hilft das Motto von Franz Beckenbauer. Wie sagte doch der Kaiser: «Geht's raus und spielt Fussball!»



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18.6.2010 15:31

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Schwarzer Tag mit schönem Ende

Getreu nach Murphys Gesetz, dass alles schief geht, was schief gehen kann, empfiehlt es sich hin und wieder, eine volle Ladung Pech in 24 Stunden zu packen. Dank dieser Taktik sollten einem danach rein statistisch gesehen ein paar sorgenfreie Tage ohne unliebsame Überraschungen ins Haus stehen. Und wenn dann am Ende eines ziemlich «struben» Programms erst noch eine bemerkenswerte und positive Beobachtung, mit der man nie gerechnet hat, den an und für sich eher dunklen Reigen schliesst, dann schläft man trotz allem ziemlich gut!

Matthias Hüppi (Bild: SF)

Genau so ist es mir hier im Nationalmannschafts-Camp in Vanderbijlpark gestern ergangen. Um fünf Uhr früh sind wir nach einer länger als geplanten Reise aus Durban zurück gekehrt, die Fussballer haben längst geschlafen und vermutlich von ihren Heldentaten geträumt.

Zum Glück war ich nicht da!
Meine Ankunft war weniger traumhaft, hatten mir doch in den Stunden zuvor vermutlich kältegeplagte Zeitgenossen meine Hütte ausgeräumt. Ein Loch im Fenster, Scherben am Boden, und so ziemlich alles weg. Kleider (vor allem die etwas wärmeren..), Schuhe, halt das, was man so braucht im Moderatorenleben. Ich war ziemlich müde und genervt, aber dennoch in der Lage, ein lautes „zum Glück war ich nicht da..!" in den afrikanischen Tiefwinter zu rufen.

Ein bisschen Schlaf hinter geborstenen Fensterscheiben, und dann neu organisieren und trotzdem moderieren: Das alles gelang erstaunlich gut. Der Tag war fast vorbei, als ich später aus dem kleinen Shuttlebus, der mich vom Studio ins Quartier zurück bringt, aussteigen wollte.

Ein voreiliger Busfahrer und ein vorfreudiger Nati-Verteidiger
Ich stieg auch aus, aber der Bus fuhr ab, bevor ich diesen Prozess beendet hatte. Wumm, da lag ich in voller Länge auf dem Asphalt. Die Hände bluteten, das Handgelenk schmerzte: ich musste zum Arzt, keine Frage. Freundlicherweise nahm sich der Doc der Nationalmannschaft nach einem kurzen „Notruf" meiner an.

Er versorgte mich bestens (Danke, Cuno Wetzel!) und als ich mich wieder auf den Weg machen wollte, humpelte mir Philippe Senderos, der Pechvogel des Spanien Spiels entgegen. Er pfiff vor sich hin und rief: „Brasilien, ich komme...!"

Trotz aller düsteren Prognosen nach seiner Verletzung glaubt er fest daran, dass die Schweiz weiter kommt und er selber dann im Achtelfinal dabei sein wird. So sieht positives Denken eines Kämpfers aus. Und mein Tag war gerettet...



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18.6.2010 10:06

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Der Trainer ist immer der Gärtner

«Der Mörder ist immer der Gärtner» sang einst Reinhard Mey, und dem möchte ich parallel die Zeile «der Trainer ist immer der Gärtner» folgen lassen. Der eine pflegt sein Fleckchen Land, der andere sein Fussballteam, und dabei tun beide (fast) dasselbe.

fu_hitztraining_blog.jpg

Zunächst muss die Saat beschafft werden. Der Klubtrainer kann nach eigenen Wünschen einkaufen, der Nationaltrainer muss das nehmen, was die heimische Erde hergibt. Nun werden die Samen gepflanzt, so, dass jeder Einzelne gut gedeiht, aber auch so, dass das Beet dereinst insgesamt einen harmonischen Eindruck hinterlassen wird.

Im Vorbereitungslager wird die Erde dann bewässert, gehegt und gepflegt. Und nun, da die WM begonnen hat, muss die Saat aufgehen, und es wird sich zeigen, ob der Gärtner gute Arbeit geleistet hat.

Obwohl die Trainer erst jetzt so richtig in den Fokus der Kameras rücken, ist ihre Hauptarbeit eigentlich bereits getan. Sie können nur noch ein paar Details pflegen, hier ein Ästchen wieder aufrichten, da einen faulen Trieb ausreissen, dort für eine besonders schöne Pflanze etwas mehr Raum schaffen.

Nun wollen wir doch alle hoffen, dass Ottmar Hitzfeld zum «Gärtner des Jahres» wird und die Saat, die er zur Verfügung gestellt bekam, auch wirklich etwas taugt.



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17.6.2010 16:46

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Afrika freut sich mit uns Schweizern

Eigentlich wollte ich nach meiner Arbeit mit einem ehemaligen Nationalspieler Kameruns das Fussballspiel zwischen der Schweiz und Spanien im Public Viewing im Zentrum von Kameruns Hauptstadt Yaoundé schauen. Um 15.00 Uhr Ortszeit war der Platz aber praktisch leer. Nur ganze zwölf Nasen haben sich dorthin verirrt, wo am Montag noch mehrere Tausend Kameruner ihre Löwen gegen Japan untergehen sahen. Das Schweizer-Spiel interessierte hier offenbar niemanden. Die Sache war ja von vornherein klar. Gegen den WM-Topfavoriten hatte die Schweiz eh keine Chance. Im Vorfeld des Spiels wurde ich hier oft belächelt und bedauert. Die Spanier in der Gruppe zu haben sei noch schlimmer als es Kamerun mit Holland getroffen habe.

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Kamerunische Fans im Spiel gegen Japan

Fussball in der Hotel-Loby

So entschieden mein Kameramann Olivier Distel und ich uns das Spiel in der Lobby unseres Hotels anzuschauen. In bester Stimmung sassen dort bereits die Crewmitglieder der Fluggesellschaft Swiss, die dreimal wöchentlich nach Yaoundé fliegt. Zusammen hofften und bangten wir, bejubelten den Führungstreffer und von da an litten wir gemeinsam den Schlussminuten entgegen. Immer mehr Afrikaner gesellten sich zu uns - die Sensation erahnend.

Umarmungen von wildfremden Menschen

Dann die Erlösung: Der Schlusspfiff und grenzenloser Jubel. Die für ihre Ausgelassenheit bekannten Afrikaner freuten sich mit uns, lachten und jubelten mit. Und plötzlich waren wir Schweizer gefragt wie noch nie. Mein Handy mit der kamerunischen Nummer läutete fast ununterbrochen. All die Leute, mit denen ich in den letzten Wochen Kontakt hatte, riefen mich an und gratulierten zum Sieg. Das staatliche Fernsehen Cameroon RTV (CRTV) vereinbarte einen Interviewtermin, ebenso das staatliche Radio. Auf der Strasse und auch im Hotel haben uns wildfremde Menschen gefragt, ob wir Schweizer seien und dann haben sie uns umarmt und die Hände geschüttelt.

Afrika sympathisiert mit der Schweiz

Auf den Punkt gebracht hat die ganze Euphorie ein gewisser Herr Evina mit dem sinnigen Vornamen Platini. Ich habe mit ihm schon ein paarmal auf der Strasse über Fussball gefachsimpelt. Und nun meinte er: «Ich mag es der Schweiz gönnen. David hat gegen Goliath gewonnen. Wir Afrikaner gehören auf dieser Welt auch zu den Kleinen, zu den Davids. Deshalb liegen die Sympathien Afrikas von nun an bei euch Schweizern.» Dass mit Gelson Fernandes ein Farbiger das entscheidende Tor gemacht habe sei noch schöner, einfach toll, meinte er stolz und dann begründet er seine Euphorie weiter: «Die Schweizer haben unseren Kontinent nie kolonialisiert. Deshalb stehen wir Afrikaner voll und ganz hinter Euch.»

Partnerschaft Schweiz - Afrika

Ich entgegnete ihm,  dass die die Sympathien gegenseitig sind. Auch die kleine Schweiz solidarisiere sich gerne mit dem «kleinen» Afrika. Schliesslich sei der Schweizer Topskorer der letzten beiden Jahre mit dem ehemaligen YB-Spieler Seydou Doumbia auch ein Mann aus Afrika. Und den haben auch viele Schweizer Fussballfans - und nicht nur ich als Berner - ins Herz geschlossen. Daraufhin stiessen wir an und schlossen Partnerschaft Schweiz-Afrika. Dabei wünschten wir uns viel Glück für die weiteren Spiele Kameruns, der anderen afrikanischen Mannschaften und der Schweiz.




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15.6.2010 18:20

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Spanien wartet auf die WM-Euphorie

Madrid empfing mich gleich mit einer Enttäuschung. Ich hatte mich auf die Fan-Zone mitten im Zentrum auf der Plaza Colon gefreut. Der Ort, an dem tausende Spanier ihrer Mannschaft zujubelten, erst bei der WM 2006 und dann als Europameister 2008. Doch gähnende Leere, nichts. Die Krise? So schlimm? Teils, teils. Der Veranstalter, ein Fernsehsender, war vor ein paar Monaten übernommen worden und der neue Besitzer hatte nach dem Kauf wohl kein Geld mehr für die Partymeile.

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Es gibt jedoch einen kleinen Ersatz. Vor dem Bernabeu-Stadion lädt ein koreanischer Autobauer nun zum Fussballschauen ein. Am Mittwoch zeigt sich, ob die Stimmung der Fans den Ortswechsel schafft.

Und noch eine Überraschung: Mit den bunten Bildern der WM konnte Madrid bislang nicht mithalten. Einerseits ist das Wetter hier alles andere als sommerlich. Regenschauer und sogar Überschwemmungen machten Spanien zu schaffen. Und dann wäre da immer wieder das Argument der Krise. Die Fans haben vielleicht einfach kein Geld, um ihre Balkone und Autos zu schmücken.

Doch hätte ich die Fussballfanatiker damit fast unterschätzt. Sie warten einfach noch, bis es endlich losgeht. Der Beweis: Vom Trikot der «Roja», der Nationalmannschaft, hat Adidas jetzt schon mehr verkauft als während der gesamten EURO. Über 500'000 Shirts warten darauf, angezogen zu werden.

Und die Schweiz in Spanien? Da bräuchten die Spanier dringend Nachhilfe. Denn sie wissen kaum etwas über die Nati. Einzig Philippe Senderos war gestern im Fernsehinterview zu sehen. Seinen spanischen Wurzeln und Sprachkenntnissen sei Dank. Vielleicht ändert sich die Wahrnehmung ja ganz plötzlich am Mittwochnachmittag.



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13.6.2010 13:02

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Never forget to smile

Geschafft - das Spiel ist vorbei. Die Sachen zusammen packen und dann ab zum Flughafen, das nächste Spiel wartet ja! Aber nur, wie komme ich zum Flughafen? Weit und breit kein Taxi... Die Medienshuttles fahren nur zu den Hotels in der Umgebung. Also, was machen?

Erstens: ruhig bleiben und zweitens: nie die gute Laune verlieren! Freundlich frage ich bei einem Volonteer nach, ob er mir weiter helfen könnte. Und siehe da, es dauert keine 20 Minuten, da steht ein Wagen extra für mich und meine welschen und Tessiner Kollegen bereit!

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Am Flughafen angekommen, geht's zum Check in. Doch alle Schalter der Fluggesellschaft sind geschlossen. Mein Flug auf keiner Anzeigetafel zu finden... So, wieder heisst es ruhig bleiben und das Lachen nicht zu vergessen. Schliesslich finde ich eine Angestellte der Fluggesellschaft, die leider keine guten News hat: mein Flug wurde vor ein paar Tagen gestrichen, einfach so... Keep smiling! Und wieder nützt es: Schnell wird mir weitergeholfen und ich werde auf einen Flug einer anderen Gesellschaft umgebucht.

Und so komme ich doch noch an der neuen Destination an. Dort möchte ich einen Medienshuttle zum Hotel nehmen. Das Problem nur: Der letzte Shuttle fuhr um 18 Uhr ab und mein Flug landete 10 Minuten nach 18 Uhr... Keep smiling! Die Uhren ticken in Südafrika anders, vieles muss improvisiert werden, aber von der Hilfsbereitschaft in diesem wunderschönen Land können wir uns ein Stück abschneiden.



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